Die kirchliche Entwicklung im Ort
Vom ersten Gotteshaus in Gestungshausen
Vermutlich haben die Grafen von Wildberg die Besitzungen des Ortsadeligen Geschlechts derer von Geisenhusen abgekauft oder abgenommen. Zu dieser Zeit war der Landesherr auch der Verantwortliche für die Sache des Glaubens. Als das Christentum bei uns eingeführt wurde, saßen die Wildbergs bereits bei uns. Sie werden erstmals 1057 urkundlich erwähnt.
Die erste Kirche bei uns war sicherlich eine Eigenkirche der Wildbergs. Eigenkirche bedeutet, daß der Landesherr das Gotteshaus erbauen ließ und die Kosten dafür trug. Er konnte außerdem seine Geistlichen aussuchen und sie besolden. Für die Annahme (Eigenkirche) sprechen die Tatsachen, daß die Wildbergs dem Pfarrer Weisung erteilten, in Hassenberg Gottesdienste abzuhalten, daß die Wildbergs die Kirche in Gestungshausen im Jahre 1123 an den Bischof von Würzburg verkauften. Es scheint dabei zu Unstimmigkeiten gekommen zu sein, denn 1122 verkaufen die Wildbergs an Bamberg und im gleichen Jahr Dorf und Kirche an die Würzburger.
Im Jahre 1122 wurde die predia Gestungshausen vom Bischof von Bamberg dem Kloster Michelsberg geschenkt und Graf Sterker als Vogt eingesetzt. Die Rechtsansprüche der Würzburger Bischöfe dauerten sogar bis zum Jahre 1802.
Das erste Gotteshaus stand an der gleichen Stelle, auf der auch das heutige steht. Sie war sogar um 6 Schuh länger (1 Schuh = 0,292 m).
Die Besitzverhäitnisse der Kirche scheinen längere Zeit umstritten gewesen zu sein, denn im 15. Jahrhundert gehört zu den Gütern in Gestingshusen eine Kirche, die zu dieser Zeit im klösterlichen Pfarrverzeichnis genannt wird. Die Bamberger schienen also auf ihre Rechte bedacht zu sein.
Zur Kirche Gestungshausen gehörten 1 Teil von Hassenberg, Steinach, Hof, Lochleiten, Horb rechts der Steinach, Mödlitz, Weischau, Zedersdorf und Weickenbach rechts des Baches. Später kam noch Neuses dazu.
Im Mittelalter mußte der Pfarrer von Gestungshausen zu Hassenberg öfters Beichte abhalten. Ort war die Hauskapelle. Nach 1529 mußte der Geistliche 1-2 mal im Jahr in der Schloßkapelle Beichte abnehmen. Nach 1690 mußte er auch Gottesdienste dort abhalten.
Im Jahr 1529 mußte der Gestungshäuser Geistliche auch die Weidhäuser Kirche betreuen. Um diese Zeit kam auch die 2. Hälfte von Weickenbach zu Gestungshausen. Es ist weiter überliefert, daß 1361 Freiherr Popp von Laß Pfarrer in Gestungshausen gewesen ist.
1529 wurde die Reformation eingeführt.
1584, am Neujahrstag, zum 12 Uhr Gottesdienst kommt ein Unwetter auf. Der Blitz schlägt in den Kirchturm, richtet jedoch keinen größeren Schaden an. Kinder, die die Kirche gerade betreten, werden vom Feuer gestreift und ihre Kleider waren angesenkt, jedoch blieben sie sonst unverletzt.
Um 1600 wird der Ruf nach einem Neubau des Gotteshauses, wenn nicht das alte in Kürze über den Haufen fallen möge, laut.
1613: Der Pfarrer beklagt sich darüber, daß die Schaflein lieber in die Gastwirtschaft gingen als in die Kirche.
1618 - 1648: Der große Religionskrieg bringt Not und Elend auch für die Kirche. Es wird von zwei Bränden berichtet.
Am 29. September 1632, also im 30jährigen Krieg, wurde das Dorf und das Gotteshaus und die Schule völlig durch Flammen zerstört. Wallenstein belagert die Veste Coburg ohne Erfolg. Hassenberg wird zerstört sowie unser Dorf. Danach folgen Pest und Teuerung.
1634 fallen die Kroaten ein, zusammen mit den Kronachern, Lichtenfelsern und Staffelsteinern und brennen das notdürftig erbaute und erhaltene vollends nieder (Katholiken).
1641 wird die ausgebrannte Kirche notdürftig mit Schindeln bedeckt.
1643 wird das Pfarrhaus neu erbaut. Pfarrer Otto Hoffmann stirbt; sein Nachfolger ist Johannes Krug (1642). Binnen sechs Jahren mußte er die Plünderungen gleich 20 mal ertragen. Ob in diese Zeit der 2. Brand der Kirche fällt, läßt sich nicht ganz mit Bestimmtheit sagen. Vier Urkunden, ohne Jahresangabe, lassen dies jedoch vermuten.
Es wird angenommen, daß die Kirche 1646 - 1650 in dieser Zeit wohl ein 2. Mal abgebrannt ist, denn 1694 und 1706 mußten Pfarrhaus und Schule neu erbaut werden.
Bis 1642 mußte sich der Pfarrer notdürftig behelfen und sicherlich auch nach dem 2. Brand. Während des 30-jährigen Krieges mußte der Gottesdienst während des Sommers im unbedachten Kirchengemäuer, im Winter aber in Meister Hans Röschlau Stube abgehalten werden. Das war durchaus möglich, denn die Zahl der Besucher war nur sehr gering. Oft lagen nur 3 oder 4 Pfennige im Klingelbeutel.
1645 stahlen die Kroaten den Silberkelch aus unserer Kirche. Also war noch immer keine Ruhe eingetreten. Erst 1650 konnte Coburg das Friedensfest feiern. Also erst zwei Jahre nach dem eigentlichen Ende des 30jährigen Krieges. Trotzdem war unsere Gegend noch Durchzugsgebiet der heimkehrenden Truppen.
1648 wurden zwei neue Glocken angeschafft.
1694 - 1703: Pfarrer Sebastian Frank war bei uns tätig (sein Sohn Johann Stephan Frank hielt die Festrede zur neuen Kriche). Für Sebastian Frank wurde aus Dankbarkeit von der Gemeinde eine Gruft in der alten Kirche erbaut.
1710: Durch die Brände waren auch die Kirchenmauern so schlecht geworden, daß sie abbruchreif waren. Auch der Turm war beschädigt; es regnete und schneite hinein. So entschloß man sich endlich, einen Neubau zu errichten. Die alte Kirche wird abgerissen und der Neubau an der gleichen Stelle begonnen. Dieser Neubau ist unsere heutige Kriche, die also ab 1710 errichtet wurde.
Die zweite Kirche in unserem Dorf ist die heute bestehende.
Im Jahre 1710 wurde, wie bereits erwähnt, die alte Kirche abgebrochen und auf dem gleichen Platz die heutige errichtet. Herr Dr. Groebe bezeichnet dieses Gotteshaus mit Recht als den zentralen Punkt des Dorfes. In einer anderen Quelle wird diese Kirche als eine der schönsten im Coburger Land bezeichnet.
Die Baugeschichte:
Ende Juni 1710 hat der vornehme Bürger und Kramhändlicher Georg Nikolaus Weinlein mit dem neuen Kirchenbau begonnen. 1712 ist der neue Steinbau der Kirche und des Turmes fertig. Die Ausführung ließ jedoch sehr zu wünschen übrig. Man hat ohne Kalk gemauert und die Kirche wurde kleiner gebaut als vorgesehen. So wurde der bisher fertige Teil überholt und ergänzt; der Turm wurde eingerissen. In der Zwischenzeit war der Baumeister Weinlein gestorben. Es kam 1714 zum Streit vor Gericht. Die Witwe des Meisters laut Entscheidung des herzoglichen Amtes, mußte 50 Gulden als Entschädigung zahlen.
Der Zimmermeister Hans Michael Hertha, Coburg hatte die Säulen im Schiff angefertigt und das Dachbalken-Hängewerk des Langhauses mit vielem überflüssigen Holz ausgestattet. Alleine der Träger unseres Kirchendaches ist 18,5 m lang, 46 cm breit und 44 cm hoch. Die unterbrochenen Maurerarbeiten führte dann der Stadtmaurermeister Johann Georg Brückner aus Coburg durch. Er erbaute den jetzigen Chor. Das alles kostete natürlich viel Geld. Der Rohbau der Kirche ist erst im Jahre 1718 und die Innenausstattung erst 1727 fertig geworden. Warum dann die Einweihungsfeier des neuen Gotteshauses erst am 29. Juni 1733 stattfand, ist nicht zu ergründen. Dieser Festtag wurde würdig begangen und ein Ehepaar aus Weickenbach getraut. Die Sakristei wurde im Jahr 1784 angebaut.
Die reizvollen Stuckarbeiten im Schiff wurden unter der Aufsicht des Italieners Luchese mit dem Bildhauer Resch aus Bamberg gefertigt. Die eigentliche Stuckarbeit führte jedoch der Johann Jakob Peinter aus Neundorf bei Tambach aus. Die Deckengemälde malte der Meister Johann Schuster aus Coburg mit dem Maler Dietzel aus Coburg. Das Abendmalgemälde entstand zwischen 1718 und 1733. Leider wurde es nie fertiggestellt. Die Moseskanzel stammt von dem Mewister Antonio Langenhann aus Coburg. Sie wurde 1727 aufgestellt. Die Kriche selbst wurde im damals übrigen Markgrafenstil gebaut. Die ganze Anlage, mit Ummauerung und Türmchen gleicht einer Kirchenburg.
Die Orgel, wird berichtet, wurde aus dem ersten Gotteshaus stammend übernommen. Jedoch mußte im Jahre 1926 eine neue eingebaut werden, die die Firma Steinmeyer, Öttingen erbaute. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß ehemalige Gestungshäuser, damalige Amerikaner, die Kosten mit trugen.
Werbezahlte dieses alles?
Die Gemeinde schickte im Jahre 1710-1715, also fünf Jahre lang, fünf Leute zum sammeln aus, sie kamen sogar bis nach Schweden. Der Reinerlös betrug 203 Gulden, 2 Groschen und 3 1/2 Pfennig. Insgesamt kostete jedoch der Kirchenbau 3.025 Gulden und 25 Groschen. Diese Summe entsprach im Jahr 1933 etwa dem Betrag von 60.000 - 80.000 DM. Das restliche Geld wurde durch Gemeindeumlagen aufgebracht.
Die Glocken:
Die große Glocke wurde 1864 gegossen, die beiden anderen im Jahr 1951 eingeweiht. Sie ersetzten die beiden, die im 2. Weltkrieg abgeliefert werden mußten. Die im 1. Weltkrieg abgelieferte, wurde 1925 ersetzt und der Glockenstuhl neu errichtet.
Die Friedhöfe
Es war früher Sitte, daß der Friedhof sich um die Kirche herum befand. Das war auch bei uns der Fall. Lange noch konnte man die Grabsteine vorfinden. Im Jahre 1874 wurde dieser Friedhof aufgelassen und der neue am großen Teich angelegt. Dieser mußte jedoch schon 1925 erweitert werden. Die dortige Friedhofkapelle, die Auferstehungshalle, wurde im Jahre 1905 errichtet. 1909 wurde ein Leichenwagen angeschafft. Dieser war besonders dadurch nötig, weil auch die Hassenberger Toten u.a. hier beerdigt wurden.
Die Fenster in der Auferstehungshalle stifteten:
2 Herzogin-Witwe Alexandrine, Coburg
1 Herzogin Marie von Sachsen-Coburg-Gotha
1 Erbprinz Ernst von Hohenlohe-Langenburg für Carl-Eduard
2 Pfarrer Sellner und Lehrer Knauer aus Gestungshausen bzw. Zedersdorf
Das Pfarrhaus
Das Pfarrhaus hat eine wechselvolle Geschichte. Wann das Erste errichtet wurde, ist nicht bekannt. Erstmals hören wir etwas vom Pfarrhaus am 29.09. aus dem Jahre 1632, Wallensteins Truppen vernichteten unseren Ort durch Brandstiftung. Das Pfarrhaus war ebenfalls ein Opfer der Vernichtung. 1634 überfielen die Kroaten, unterstützt von den Staffelsteinern und Kronachern unseren Ort und vernichteten das notdürftig wieder Aufgebaute. So mußte das Pfarrhaus 1643 neu erbaut werden. 1694 mußte es schon wieder neu erbaut werden, also muß es ein zweites Mal abgebrannt gewesen sein. Im Jahre 1718 wurde das Pfarrhaus neu erstellt, es ist der noch heute bestehende Fachwerkbau. Was aus dem Mittelalter in unserem Dorf übrig blieb, ist der Torturm, in Mundart "Tannla" genannt, neben dem Pfarrhaus.
Dr. Groebe schrieb einmal: "Der Torturm steht den Toren der Stadt Coburg an Schönheit in nichts nach."
Die Zeit der Errichtung des Turmes ist nicht genau bestimmbar. Sie mag jedoch in der Zeit der Hussitenkriege liegen (1419 - 1436). Böhmische, mordende Haufen fielen in unser Land ein. Zu dieser Zeit dürfte auch der Friedhof mit der Kirchenanlage mit einer Mauer umgeben worden sein, die heute noch teilweise erhalten ist. Wenn man die Steinmetzzeichen an den Mauersteinen der Nordwand der Sakristei, der Kirche und der Mauer deuten könnte, wüßte man mehr über die Entstehung. Sie sollen aus dem 12. Jahrhundert stammen. In Notzeiten suchten die Bürger mit Hab und Gut Schutz hinter diesen Mauern. Im Jahre 1600 im Juni bis Dezember wurde der Holzoberbau des Wehrtrumes, trotz Einwände der Eingepfarrten, aufgesetzt. 1593 wurde bei dieser Gelegenheit die erste Turmuhr angebracht. 1740 wurde ein Fachwerk auf den Turm gesetzt. Das Jahr 1879 bescherte den Einwohnern eine neue Turmuhr.
Das Tannla
Pfarrer oder Pastoren in Gestungshausen
Um 1361Freiherr Popp von Laß
um 1405Pfarrer Friedrich
1528/29Pfarrer Laurentius Christian Einführung der Reformation
1528/29wurde Pfarrer Lautentius Christan "entmachtet" weil er nicht vom Evangelium durchdrungen war, erhielt 1 Jahr Bewährung und es wurde ihm Kaplan Georg Reste zur Seite gestellt.
Um 1592Pfarrer M. Joh. Holzhauser Zeit der Stadterhebung und Wappenverleihung
bis 1642Pfarrer Otto Hofmann im 30jährigen Krieg
1642Pfarrer Johannes Krug im 30jährigen Krieg
1694-1703Pfarrer Sebastian Frank 9 Jahre, Folgen des Kriegs
1703-1733Pfarrer Nic. Brückner 30 Jahre, Neubau der Kirche
1733-1740Pfarrer Johann Frank/ Pfarrer Stephan - Joh Kob (?)Kircheneinweihung
1804-1823Pfarrer Mesch19 Jahre
1824-1845Pfarrer Schuster21 Jahre
1845-1846Diakon Rühl1 Jahr, Verweser Sonnefeld
1846-1866Pfarrer Friedrich Andreas Neumeister 20 Jahre, liegt hier begraben
1866-1887Pfarrer Werner Wodan Krauß 21 Jahreneuer Friedhof angelegt (1887)
1887-1928Pfarrer Adam (Albin) Sellner, Superintendent 41 Jahre, Abbau alte Orgel. Turmuhr eingebaut, Wetterhahn vergoldet, Kirche restauriert, Glocken gesetzt, neue Orgel, Friedhof erweitert, Friedhofskapelle erneuert, Leichen- wagen angeschafft. Er war Gründer verschiedener Vereine und des Darlehenskassenvereins (Raiffeisen). Er benutze nie ein Löschpapier sondern Steustand.
1929Verweser Pfarrer Ludwig, Sonnefeld und Verweser Pfarrer Hübner, Großgarnstadt
1929-1936Pfarrer Krodel 7 Jahre, Übergang zum III. Reich
1936Verweser Ab. Habeland, später Diakon in Neumarkt und Verweser Alfred Fasser, 200-Jahr-Feier
1936-1950Pfarrer Paul Benning 14 Jahre, 2. Weltkrieg (elektr. Heizung)
1950Verweser Pfarrrer Konr. Rauh, Hassenberg
1950-1960Pfarrer Oskar Schaudig 10 Jahre, Nachrenovierung Matthäuskirche
1960-1967Pfarrer Johannes Scholz 7 Jahre, Ehrenmal v. 2. Weltkrieg
1967-1990Pfarrer Hans Georg Wurmthaler Gemeindehaus erworben, ausgebaut, Wehrturm/Wehrmauer instandgesetzt, Neugestaltung d. Kirchzugangs, Pfarrhaus renoviert und 1984 Anbringung Gedenktafel Pfarrer Krauß
1990-1997Pfarrerehepaar Ulla Rheingruber-Mehl, Eberhard Mehl
ab 08.03.1998Jens Güntzel
Das Kirchgemeindehaus
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